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Ein Aspekt der chinesischen Kultur

Dorothee Dauber



Zu den wichtigsten Grundlagen der chinesischen Kultur gehört die Lyrik.

Jahrhundertelang wurden Beamte auf ihre Eignung geprüft, indem man sie Gedichte und Texte verfassen ließ. Allein aus der Tang-Dynastie (618-906) sind über 48 000 Gedichte erhalten.

Als größter Dichter Chinas gilt der tangzeitliche Dichter Du Fu, neben Li Bai (Li Bo, Li Po, Li Taipo u.ä.), mit dem er eng befreundet war. Ihre Gedichte werden heute noch in der Schule auswendig gelernt.

Hier ein bekanntes kurzes Gedicht von Du Fu als Beispiel, mit meiner Übersetzung, chinesischen Schriftzeichen (Kurzzeichen) und Interlinearversion. Es zeigt sowohl die Parallelstruktur der Sätze als auch die philosophische Ebene, für die Du Fu berühmt wurde; beides sind typische Merkmale der klassischen chinesischen Lyrik.

Du Fu (712-770)

Auf der Reise bei Nacht niedergeschrieben meine Gefühle

Im feinen Gras ein sanfter Wind am Ufer
Unter dem hohen Mast allein bei Nacht im Boot
Die Sterne hängen herab, die Wildnis breitet sich aus
Der Mond steigt herauf, der große Strom fließt dahin
Ist mein Name vielleicht durch Dichten bekannt geworden?
Das Amt wegen Alter und Krankheit mußte ich aufgeben
Es weht mich hin und her, wem gleich?
Einer Sandmöwe zwischen Himmel und Erde



lü yè shū huái
Reise / Nacht / aufschreiben / hegen



xì cǎo wéi fēng àn
fein / Gras / leicht, gering / Wind / Ufer



wéi qiáng dú yè zhōu
hoch / Mast / allein / Nacht / Boot



xīng chuí píng yě kuò
Sterne / herabhängen / eben / Wildnis / sich erstrecken



yuè yǒng dà jiāng liú
Mond / aufsteigen / groß / Fluß / fließen



míng qǐ wén zhāng zhù
Name / wie / Literatur, Text / bekannt



guān yīn lǎo bìng xiū
Amt / wegen / alt / krank / ruhen



piāo piāo hé suǒ sì
wehen / wehen / was / von allem / gleichen


tiān dì yì shā ōu
Himmel / Erde / eine / Sand / Möwe